Showrooming und Webrooming: Welchen Einfluss Amazons neuestes Patent auf den Einzelhandel und E-Commerce hat

Amazons neuestes Patent kann Besucher im stationären Einzelhandel auf die Webseite des Unternehmens umleiten, wenn sie nach Produkten bei Wettbewerbern suchen.

Seit Ende Mai 2017 ist der E-Commerce-Gigant Amazon dank eines kürzlich genehmigten Patents dazu in der Lage, die Inhalte, die Konsumenten auf ihrem Smartphones sehen, zu blockieren, wenn sie sich in einem Amazon-eigenen Laden befinden und im WLAN des Ladens surfen. Amazon hat das Patent, das es dem Unternehmen ermöglicht, Kunden, die im stationären Einzelhandelsgeschäft einkaufen, auf die Amazon-Website umzuleiten, wenn sie dort nach Produkten in den Magento und Wordpress-Online-Shops von Wettbewerbern suchen, bereits vor mehr als fünf Jahren angemeldet.

Dieses neue Patent ist eng mit zwei Konzepten im E-Commerce und im Einzelhandel verbunden - dem "Showrooming" und dem "Reverse Showrooming" oder dem "Webrooming". Als "Showrooming" wird es bezeichnet, wenn ein Käufer den stationären Einzelhandel besucht, um ein Produkt zu begutachten, aber dann das Produkt online kauft. "Reverse Showrooming" oder "Webrooming" bedeutet, dass ein Kunde Produkte online recherchiert, bevor er sie abschließend bewertet und im Laden kauft.

Branchenkenner haben lange Zeit das Showrooming als eine der größten Bedrohungen für den Einzelhandel betrachtet, aber kürzlich festgestellt, dass Reverse Showrooming bei Konsumenten häufiger vorkommt. Ein Bericht von Business Insider Intelligence aus dem Jahr 2013 ergab, dass fast die Hälfte aller befragten Verbraucher zuvor einen Laden besuchten, während sich fast 70 Prozent von Ihnen vor dem stationären Kauf in Onlineshops informierten.

Laut Google Trends wurde das 2012 angemeldete Patent fast ein Jahr, bevor das Interesse an der Onlinesuche für den Begriff "Showrooming" seinen Höhepunkt erreichte, angemeldet. Amazon ist seit Langem für seine aggressiven und wegweisenden Taktiken bekannt, um den Markt zu kontrollieren und den Wettbewerb zu reduzieren. Dieses neueste Patent ist eine weitere zukunftsweisende Strategie, die wahrscheinlich in dem Bestreben verfolgt wird, den Einfluss auf die Einzelhandelslandschaft auszuweiten.

Das Patent weist mehrere Mängel und mögliche negative Folgen auf. Zum einen kann es das Surfverhalten über das Mobilfunknetz nicht kontrollieren, da das Patent auf der Verbindung des Kunden mit dem WLAN des Einzelhändlers basiert. Darüber hinaus bleibt abzuwarten, ob Amazon die Funktionalität selbst tatsächlich nutzen wird. Denn dies würde bedeuten, die Art und Weise wie Kunden im Internet surfen können, zu begrenzen und Vertrauen und Ansehen treuer Kunden zu schädigen.

Da Amazon die Rechte an der Technologie besitzt, könnte das Technologieunternehmen diese möglicherweise an Marken mit Einzelhandelsflächen und einer Amazon-Präsenz, wie Michael Kors oder Nike, lizenzieren, um die Käufer in Amazon-Geschäfte zu leiten. Dies könnte jedoch dazu führen, dass sich die Kunden von den eigenständigen E-Commerce-Kanälen der Einzelhändler selbst abwenden.

Aktuell ist es noch schwierig vorherzusagen, welche Strategie und Absicht Amazon mit seinem jüngsten Patent verfolgt. Unabhängig davon, wie es letztendlich genutzt oder nicht genutzt wird, zeigt es die Stärke von Amazon auf dem Markt und eine Zukunftsvision des Unternehmens für den Einzelhandel und E-Commerce, die in den kommenden Jahren eine große Rolle auf dem Markt für Verbraucher, Händler, Dienstleister und Agenturen spielen kann.

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