Hören Sie mal her: Die Sprache und die Zukunft der Suche

Die Sprachsuche ändert die Art und Weise, wie User im Internet surfen. Während der Wandel vom Desktop zur mobilen Suche zu kürzeren Suchanfragen führte, führt der Wechsel von der Text- zur Sprachsuche dazu, dass Anfragen länger und besser definiert werden. Die Sprachsuche mit der Unterstützung von automatischer Spracherkennung (ASR) ist bereits seit 15 Jahren verfügbar. Sie hat jedoch in den letzten Jahren unter anderem mit der Einführung von Apples Siri, Microsofts Cortana, Amazons Alexa und Google beeindruckender ASR, stark an Bedeutung gewonnen. Einer Studie von Yahoo und der Universität Negev in Israel zur Folge nutzen etwa 55% der Jungendlichen in den USA die Sprachsuche täglich. Die Studie hat außerdem gezeigt, dass eine von fünf Suchanfragen über die Google Android App eine Sprachsuche war.

Bequemlichkeit spielt eine wichtige Rolle bei der steigenden Beliebtheit der Sprachsuche. Das geht sogar soweit, dass Comscore vorhersagt, dass im Jahre 2020 die Hälfte aller Suchanfragen über die Sprachsuche erfolgen werden. Mehr als Dreiviertel der Befragten gaben Bequemlichkeit und Multitasking als Hauptgrund für die Verwendung der Sprachsuche an. Das macht Sinn. Sprechen ist nicht nur natürlicher, sondern auch schneller und zudem einfacher als Schreiben. Außerdem bleiben Hände und Augen für andere Aktivitäten frei verfügbar. Fahren, Kochen oder Sport waren Aktivitäten, die laut der Befragten mit der Sprachsuche deutlich einfacher geworden sind.

Die Sprachsuche wird die klassische Textsuche - zumindest noch - nicht komplett ablösen. User finden die Sprachsuche besonders praktisch, wenn Sie auf der Suche nach einer klaren und direkten Antwort sind. "Wie ist das Wetter in Berlin?", "Wo ist das nächste italienische Restaurant?" Diese Beispiele zeigen, wieso die Sprachsuche nicht nur einfacher ist, sondern wieso die Suchanfragen auch länger werden. Sie zeigen den Trend weg von vagen Textsuchen wie "Essen in meiner Nähe" zu spezifischen Fragen wie "Wo ist das nächste italienische Restaurant?". Es ist viel einfacher, eine bestimmte Frage zu sprechen, als sie zu schreiben. Marken müssen sich diesem Trend anpassen, da die Sprachsuche immer mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Suchanfragen, die als Ergebnis umfangreichere Inhalte liefern, sind von dem Wandel nicht so sehr betroffen, wie die Anfragen auf die der User eine direkte Antwort erwartet. Es ist nur wenig sinnvoll, dem Smartphone zu sagen, dass es Facebook, Instagram oder andere soziale Netzwerke öffnen soll, wenn Sie ohnehin mit dem Telefon interagieren müssen, um die Inhalte zu sehen oder die App zu nutzen. 

Besonders interessant ist auch die Tatsache, dass der größte Unterschied zwischen Text- und Sprachsuche, die Verwendung des Wortes "Bitte" ist. Das gibt den Hinweis darauf, dass User ihrem Telefon Fragen auf die selbe, höfliche Art und Weise stellen, wie sie einen Unbekanntem nach dem Weg fragen würden.

 

Welchen Einfluss hat das auf die Suchstrategie von Unternehmen?

Laut Jason DeMers, einem Autor für Forbes, könnte das nicht so einfach sein. Zur mobilen Textsuche sagt DeMers: "Die Menschen zogen es vor, so wenig Worte wie möglich angezeigt zu bekommen und stellten weniger Suchanfragen. Mit der Einfachheit der Sprachsuche suchen die Menschen häufiger und auf weniger vorhersehbare Art und Weise." Da Sie wissen, dass Anfragen der Sprachsuche meist als Fragen formuliert sind, müssen Sie sich zunächst einmal selbst überlegen, welche Fragen Ihre Kunden stellen könnten, um Ihre Produkte oder Dienstleistungen zu finden. Kurze, vage Keywords sind nicht länger der beste Weg, um Ihre Suchstrategien zu optimieren und zu verbessern.

Dieser Wandel wird dazu führen, dass Sie eine Abnahme des Gesamtsuchvolumens bemerken. Auf der anderen Seite wird die Kaufintention zum Vorteil der Unternehmen die gefunden werden, ansteigen. Ein Beispiel: Eine typische Suchanfrage aus zwei Wörtern einer Textsuche ist "Blaues T-Shirt". Dabei handelt es sich um eine sehr vage Suche mit hoher Konkurrenz, welche die CPC-Kosten in die Höhe treibt, im Gegenzug aber nur einen geringen Kaufwillen generiert. Eine durchschnittliche Sprachsuche ist 4,2 Wörter lang. Die Suchanfrage "Blaues T-Shirt" wird bei einer Sprachsuche also eher so aussehen: "Blaues Polo Shirt für Männer". Die Konkurrenz des Suchbegriffes wird deutlich reduziert. Außerdem werden zahlreiche Suchergebnisse eliminiert, die niemals zu einem Kauf führen würden. Die Kombination aus einer spezifischen Suche mit Geolocation führt dazu, dass die Suchergebnisse zwar weniger, dafür aber hochwertiger werden.

 

Sprachsuche - was kommt als nächstes?

Im April 2017 hat Facebook bekanntgegeben, dass das Unternehmen ein Team aus 60 Ingenieuren beschäftigt, um ein mit dem Gehirn verbundenes Computer-Interface zu entwickeln. Dieses soll es den Users ermöglichen zu schreiben, indem sie einfach nur ihr Gehirn verwenden. Das Interface soll ohne chirurgische Implantate funktionieren. Das Ziel, welches der Computer durch das hundertfache Scannen des Gehirns pro Sekunde erreichen soll, ist es die stillen Gedanken des Users zu lesen und ihm so zu ermöglichen, 100 Wörter pro Minute zu schreiben. Das ist laut Facebook circa fünfmal schneller, als ein durchschnittlicher Mensch auf seinem Smartphone tippen kann. Während es wohl noch Jahre dauern wird, bis diese Technologie reif für den Markt und den User ist, wird es wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis Sie für Ihr Marketing im wahrsten Sinne des Wortes die Gedanken Ihrer Kunden lesen können müssen.